· 

Muslimische Irrlehre

Der Historiker Horst Rabe schreibt in seinem Standardwerk über die Deutsche Geschichte im 16. Jahrhundert, wie streng und unnachgiebig der Reformator Johannes Calvin sein Kirchenregiment in der Stadt Genf verstand, das zugleich eine Ordnung für die politische Gemeinde sein sollte: "Strenge Sittenzucht war unter diesen Voraussetzungen ebenso selbstverständlich wie harter Dogmenzwang; Gewissensfreiheit galt als muslimische Irrlehre." (Horst Rabe: Deutsche Geschichte 1500-1600. Das Jahrhundert der Glaubensspaltung, München 1991, S. 502). Das verwundert doch sehr, ist es doch ein lutherisches Narrativ, dass die Gewissensfeiheit mit Luthers Standhaftigkeit vor dem Kaiser und dem Reichstag in Worms 1521 begonnen habe. Stattdessen galt bei den Calvinisten (und oft nicht weniger streng bei den Lutheranern) die Glaubensfreiheit nicht als die Freiheit der anderen, das zu glauben, was sie glauben wollten. Das aber war damals offenbar bei den Muslimen der Fall, die auf der iberischen Halbinsel ein halbwegs friedliches Miteinander von Muslimen, Juden und Christen ermöglicht hatten.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0