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Jerusalema

Von Prädikantin Ruth Klinkert

 

Hier tanzen Ärzte, Pflegekräfte und Sekretärinnen des St. Raphael-Krankenhauses Ostercappeln zu dem Lied Jerusalema. Foto: Ruth Klinkert

 

 

Die ganze Welt tanzt zu „Jerusalema“.

 

Das wird eindrucksvoll deutlich, wenn man sich eines der zahlreichen Videos zu Jerusalema ansieht (unten gibt es einen Link).

 

Doch was bedeutet dieser Tanz, dieser Song, den Dj Master KG bereits 2019 komponierte? 

 

Die Südafrikanerin Nomcebo Zikode singt dazu einen religiösen Text: „Jerusalem ist meine Heimat, rette mich!“ Zikode drückt im Text ihre Sehnsucht aus nach dem himmlischen Jerusalem, als Ort vollkommener Freude. „Geh mit mir, lass mich nicht zurück“, singt sie zu Gott. Dieser Song ist ein Gebet. Er drückt eine Ursehnsucht des Menschen aus. Und diese ist unabhängig von Religion in uns allen vorhanden. Wir alle kennen die Angst, alleine zurückgelassen zu werden. Doch kaum jemand außerhalb Südafrikas versteht Zulu, die Sprache des Textes von „Jerusalema“. Trotzdem haben die hunderten Tanzvarianten auf Youtube längst alle überzeugt: Der Song mit dem treibenden Beat sei der beste Impfstoff gegen den Coronakoller, attestierten die Musikkritiker.

 

Der Song war zuerst nur in Südafrika bekannt. Die Tanzbewegungen gehen auf einen traditionellen Hochzeitstanz zurück. Als eine afrikanische Gruppe zum Song tanzte und ihre Aufführung auf Youtube stellte, wurde dieser Tanz weltberühmt. Doch was war der Grund dafür?

 

Ich denke, das Motiv  von Master KG war es, etwas Tröstliches, Spirituelles weiterzugeben. Die Menschen rund um den Erdball spüren, da steckt eine Friedenskraft in diesem Song. Er wirkt lebenslustig, aber nicht übermütig. Er drückt Freude über das Zusammensein aus, ohne Triumphgefühle. Als der Song nach fünf Monaten Lockdown in Afrika gespielt wurde, freuten sich die Menschen, wieder zusammen zu kommen, obwohl die Pandemie noch nicht überstanden war.

 

Und da ist noch ein Geheimnis, was im Song verborgen ist: Nicht nur für Juden, Christen oder Muslime ist „Jerusalem“ ein Schlüsselbegriff, sondern weltweit verkörpert er das Bild eines Sehnsuchtsorts. Es ist für viele die Stadt der Sehnsucht. Da begegnet man Gott, da begegnet man dem Leben. Dem Leben, das für uns nach unserem irdischen weitergeht.

 

Und was bedeutet das für uns, jetzt in der Pandemie? Überall wird dieser Tanz im Moment getanzt. Das verbindet Menschen. Menschen unteschiedlicher Berufsgruppen, unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlicher Altersgruppen. Und das nicht nur hier in Deutschland, sondern weltweit.

 

Natürlich trifft die Pandemie den einen oder anderen stärker. Ich denke da an diejenigen, die in Kälte ohne Heizung, warmes Wasser und wenig Nahrung ausharren müssen. Da können und müssen wir helfen, die dürfen nicht vergessen werden. Und doch – wie gut tut es, zu spüren: Ich bin nicht allein in dieser schweren Zeit! Dieser Tanz und unser Glaube verbindet uns.

 

Bei uns im Krankenhaus haben sich viele Ärzt*innen, Pfeger*innen und einige Kolleg*innen aus anderen Berufsgruppen getroffen und diesen Tanz an unterschiedlichen Orten getanzt, z.B. in der Cafeteria, vor der Intensivstation, vor dem OP und zu guterletzt draußen auf dem großen Platz vor dem Krankenhaus. Die Freude, der Zusammenhalt und die Begeisterung waren groß und auch beim Zuschauen spürte man, dass in diesem Moment die Pandemie vergessen war.

 

Jerusalem: ein Ort der Hoffnung und der Sehnsucht. Wie schön sich diese Hoffnung in diesem wundervollen, gemeinsamen Tanz widerspiegelt. Gemeinsam und mit Gott können wir einer hoffnungsvollen Zukunft entgegengehen. 

 

Prädikantin Ruth Klinkert ist Gesundheits- und Krankenpflegerin, zur Zeit leitet sie das Projekt "digitale Krankenakte".

 

Foto: Mario Klinkert

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