Das Volk, das im Finstern wandelt

Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finsteren Lande, scheint es hell. (Jes 9,1)

 

 

Anfang Dezember machte die Neue Osnabrücker Zeitung mit einer Werbung für ein Digitalabo plus IPad auf sich aufmerksam: „Jeder wünscht sich einen Lichtbringer“. Die Bildsprache erinnerte dabei an Kinder, die im Kerzenschein entweder ihre Weihnachtsgeschenke auspacken oder staunend vor der Weihnachtskrippe stehen. Die Assoziationen sind klar: An Weihnachten feiern wir die Geburt des Kindes, das seit jeher als das große Licht angesehen wird, von dem der Prophet Jesaja im 8. Jahrhundert vor Christus gesprochen hat: Jesus, der Lichtbringer. Und nun also das IPad.

 

Licht ins Dunkle zu bringen, ist keine spezifisch christliche Botschaft. Die jüdische Gemeinde feiert in diesen Tagen „Chanukka“, das Lichterfest, bei dem acht Tage lang jeden Tag ein Licht am Kerzenleuchter entzündet wird. In der buddhistischen Tradition erlangte der ehemalige Prinz Siddharta Gautama die Erkenntnis der Vier Edlen Wahrheiten und wurde seitdem der Erleuchtete, Buddha, genannt. Aber natürlich ist vor allem das christliche Weihnachtsfest mit Adventskranz, Herrnhuter Stern und Weihnachtsbaum nicht ohne das Symbol des Lichtes denkbar: Jesus, das Licht, kommt zu uns in unsere dunkle Welt.

 

Zur Zeit gilt etwas ganz anderes als Lichtbringer: der Impfstoff, auf den wir alle warten. Einen "Lichtblick" und eine "Frohe Botschaft" nennt die Neue Osnabrücker Zeitung heute morgen die Aussicht auf den Beginn des Impfens unmittelbar nach Weihnachten. Daran kann man sehen, wie sehr wir uns nach Normalität sehnen oder besser nach einer Befreiung von dem Druck, alles richtig machen zu müssen, und der Angst, sich oder andere anzustecken. Endlich wieder feiern! Endlich wieder Freunde einladen! Endlich wieder jemanden umarmen! Endlich wieder in die Uni gehen und Leute treffen! Endlich wieder singen, ins Theater oder Kino gehen! Endlich wieder in Urlaub fahren! Endlich wieder Mama besuchen! Endlich einmal wieder andere Nachrichten im Fernsehen als immer nur Corona und die Notlage auf den Intensivstationen!

 

Die Menschen zur Zeit des Propheten Jesaja, aber auch die zur Zeit Jesu hatten ganz andere Sorgen. Und diese Sorgen waren nicht kleiner als die unseren. Auch sie sehnten sich und hofften auf bessere Zeiten: Wann gibt es endlich Frieden? Wann kommt endlich Gerechtigkeit? Wann bricht endlich das Gottesreich an? Jesaja sagt, es ist soweit: "Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er's stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit." (Jes 9,5-6)

 

Der wahre Lichtbringer ist ein Kind. Christinnen und Christen sagen: Das Kind in der Krippe ist dieser Friedefürst, dieser Lichtbringer. Wenn du daran nicht so recht glauben kannst, dann kannst du vielleicht zumindest selbst ein Lichtbringer für andere werden und diese Welt ein bisschen heller machen. 

 

Übrigens, man kann sich auch einen echten Lichtbringer nach Hause holen: Das Friedenslicht von Bethlehem steht jetzt abholbereit in der Matthäuskirche. Wir haben noch bis zum 22.12. täglich von 18.00 bis 19.00 Uhr geöffnet zur Offenen Kirche im Advent.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Daniel Forchheim (Montag, 21 Dezember 2020 12:44)

    Danke, Friedemann für deine Erinnerung an diese besondere Zeit, in der die Nach zwar länger ist als der Tag, dafür aber andere Lichter als die Sonne umso heller strahlen. Heute ist ein besonderer Tag, an dem sich zwei der hellsten Lichpunkte an unserem Nachthimmel so nah sind wie seit 800 Jahren nicht mehr. Die Begegnung vonJupiter und Saturn kann man heute Abend um zwischen 17 und 19 Uhr am südwestlichen Sternenhimmel beobachten. Eine frohe, lichtreiche Weihnachtszeit.