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Keine anderen Götter

Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. (Exodus 20,2-3)

 

 

 

Vor kurzem hat der Kreisvorsitzende der AfD in Osnabrück, Florian Meyer, Oberbürgermeister Wolfgang Griesert dazu aufgefordert, gegen die Ibrahim-Al-Khalil-Moschee vorzugehen. An der Fassade der Moschee prangt nämlich ein Schild mit der Aufschrift „Es gibt keinen Gott außer Allah und Muhammad ist sein Prophet“. Meyer argumentierte, dieses Schild verstoße gegen die in Artikel 4 des Grundgesetzes garantierte „Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses“. Er sehe darin, so Meyer, eine Bedrohung und „Ablehnung unseres christlichen Glaubens“.

 

 

Diese Aussage ist nicht nur falsch, sondern auch dumm. Das islamische Glaubensbekenntnis besagt im Grunde nämlich nur, dass es nur einen Gott gibt, denn das arabische Wort Allah bedeutet nichts anderes als Gott. Es ist das Bekenntnis zu dem einen Gott: „Gott ist Gott“. In der Umschrift des arabischen Wortlauts kann man das vielleicht erkennen: „Lā ilāha illā ʾllāh(u) [Quelle: Wikipedia]“ Das ist nichts anderes als das erste Gebot der Bibel: Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Dieser Ausschließlichkeitsanspruch der monotheistischen Religionen hat schon zu vielen Konflikten und Kriegen geführt. Angesichts des damit verbundenen Leids ist man versucht, mit John Lennon zu singen: „Imagine no religion“ – Stell dir vor, es gäbe keine Religion.

 

 

Mit Martin Luther können wir aber auch eine ganz andere Perspektive auf dieses Gebot gewinnen. Im Großen Katechismus erklärt er nämlich zum ersten Gebot: „Woran du dein Herz hängst und worauf du dich verlässt, das ist eigentlich dein Gott.“ Das ist für einen Menschen des ausgehenden Mittelalters ein ungeheuer modernes Gottesbild: Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott.

 

 

Woran hängen wir unser Herz? An unser Auto? Unseren Wohlstand? Unser Mobiltelefon (wie oft schaust du täglich darauf)? Unsere Likes bei Facebook und Instagram? Und worauf verlassen wir uns? Auf unser Glück? Unsere Fähigkeiten? Unsere Klugheit? Unsere Lebensversicherung? Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie zerbrechlich unser Wohlstand sein kann und wie sehr die Menschen sich nach verlässlichen Wahrheiten und nach Orientierung sehnen.

 

 

Im Grunde ist das erste Gebot, keine anderen Götter zu haben, daher ein ungeheures Freiheitsversprechen. Gott stellt sich vor als derjenige, der das Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten befreit hat. Er sagt dir: Lass dich befreien von deinen Abhängigkeiten, den Dingen, die dich versklaven. Du brauchst keine anderen Götter zu haben. Und so ist auch das muslimische Glaubensbekenntnis zu verstehen: Da ist kein Gott außer Gott. Das ist keine Bedrohung, sondern eine Einladung oder auch eine Ermahnung, sich nicht (zu sehr) auf sich selbst und die irdischen Gewissheiten zu verlassen.

 

Übrigens: Unser Oberbürgermeister hat das Ansinnen der AfD zurückgewiesen, weil er in dem Bekenntnis des Glaubens keinen Verstoß gegen des Grundgesetz erkennen konnte. Zu Recht.

 

Das muslimische Glaubensbekenntnis an der Fassade der Ibrahim-Al-Khalil Moschee in Osnabrück. Foto: Friedemann Neuhaus

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Kommentare: 3
  • #1

    Sabine Bretz (Freitag, 18 September 2020 10:39)

    Was die AfD meint und aus welchen Gründen - spielt für mich keine Rolle.
    Jedoch halte ich es für unsäglich naiv, zu glauben, dass die Mehrheit der Muslime EINEN Gott für uns alle anerkennt. Das mag bei einer Handvoll gebildeter muslimischer Gläubigen so sein- allerdings nicht bei den anderen. Ich habe mit mehreren muslimischen Familien Kontakt bei den bereits den Kindern beigebracht wird, dass Allah mit dem christlichen Gott nichts zu tun hat und ER einfach nicht zählt. Das ist die traurige Wirklichkeit. Die mir bekannten Kinder sind im übrigen eine Zeitlang auch in die besagte Moschee zum Unterricht gegangen. Leider beinhaltet die dort angewandte Erziehung auch die Prügelstrafe, so dass die Mütter ihre Kinder nicht mehr dorthin geschickt haben.
    Last but not least glaube ich, dass die Anbringung solcher Suren aus dem Koran dem Zusammenleben der verschiedenen Religionen nicht gut tun, ja sogar Nährboden für eine radikale Denke sind. Wisst Ihr übrigens, dass die letzte Ehefrau des Propheten Mohammed sage und schreibe 9 Jahre (!) alt war ? Was sagt die Gesellschaft heutzutage zu solchen Männern ?

  • #2

    Friedemann (Sonntag, 20 September 2020 09:56)

    Liebe Sabine, du vermengst zwei unterschiedliche Ebenen von Religion miteinander: die Ebene der Lehre (Theologie) und die Ebene der Glaubenspraxis, d.h. wie Menschen ihren Glauben leben. Wollte man die Lehre des Christentums vom Verhalten der gläubigen Christen her beurteilen, müsste man auch den sexuellen Missbrauch in der Krche, den Rassismus der christlichen Eroberer, den Antisemitimus der Kirche, den Eroberungsdrang der Kreuzritter einbeziehen. In wie vielen christlichen Gemeinschaften wurden und werden bis heute Kinder geschlagen? Aber das ist nicht die Botschaft Christi.
    Du nennst die Idee, dass Muslime und Christen an denselben Gott glauben, unsäglich naiv. Aber dieser Glaube ist die einzige Chance, wenn monotheistische Religionen miteinander ins Gespräch kommen wollen. Die Frage darf nicht lauten: "Warum glaubst du noch immer an den falschen Gott?", sondern "Was glaubst denn du?"

  • #3

    Sabine Bretz (Montag, 21 September 2020 16:35)

    Nein, dass habe ich nicht geschrieben. Unsäglich naiv ist meiner Meinung nach die Vorstellung, dass die weniger gebildete Schicht der Muslime an EINEN Gott glaubt. WIR glauben daran, vielleicht kann man das auch als kollektives Wissen bezeichnen. Die Mehrheit der Muslime sieht das jedoch anders. Das ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis, von daher halte ich solche Suren - aus dem Zusammenhang gerissen- für religiösen Zündstoff. Jedenfalls höre ich von den syrischen Kindern oft, dass wir ja nicht an Allah glauben. Wo kommt das her?
    Zu deinen Ausführungen vom Christentum, kann ich nur sagen, dass real missbrauchende Priester m.E. keine gläubigen Christen sind. Und Gott sei Dank haben wir uns von den Kreuzrittern und dem Antisemitismus befreit und vom ersteren auch mehrere Jahrhunderte distanziert. Für mich ist der Islam dringend reformbedürftig. ( Gleichberechtigung der Frauen, Abschaffung der Vielehe, keine Glaubenserziehung mithilfe von Schlägen , Akzeptanz der Homosexualität) Ich glaube, dass es auf der Welt dann besser aussähe. Wusstest Du , dass nur 2 Länder ( Tunesien und Senegal) mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung , demokratisch regiert werden?
    Den Dialog suchen ist immer gut.... ich würde mir mal eine Podiumsdiskussion mit einem Buddhisten oder einem Anhänger der Bahai-Religion wünschen.