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Hosianna dem Sohn Davids

Das Volk aber, das ihm voranging und nachfolgte, schrie und sprach: „Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!“ (Mt 21,9).

 

 

 

Es war von Anfang an ein Missverständnis. Die Menschen in der römischen Provinz Judäa, die Jesus hier jubelnd empfingen, sehnten sich nach einem, der sie retten bzw. befreien würde. Nach einem König aus dem Hause Davids. Das nämlich bedeutet der Ruf: „Hosianna dem Sohn Davids.“ Hosianna ist ein Hilfe- und Jubelruf zugleich. Und „Sohn Davids“ ist die Proklamation Jesu als neuer König und damit eine Kampfansage an die römische Besatzungsmacht. Die Erwartungen aber wurden enttäuscht. Und enttäuschte Liebe kann leicht in Hass umschlagen. Dasselbe Volk, das hier „Hosianna“ schrie, verlangte später vom römischen Statthalter Pilatus: „Lass ihn kreuzigen!“ (Mt 27,22)

 

Es war, wie gesagt, von Anfang an ein Missverständnis. Jesus erfüllte die Erwartungen nach einem Befreier von römischer Fremdherrschaft nicht. Seine Vorstellungen vom Reich Gottes waren ganz anders. „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“, sagt Jesus: „Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und seid zu mir gekommen.“ (Mt 25,35-36)

 

Das ist Jesu Vorstellung vom Reich Gottes. Er will nicht der starke Mann sein, nach dem sich auch heute wieder viele sehnen. Er ist kein Erdogan, kein Orban, Putin oder Trump. Er ist der geringste Bruder, die geringste Schwester unter uns, der oder die unsere Hilfe braucht. Umso schmerzhafter erscheint das Versagen der Europäischen Union gegenüber den „geringen“ Schwestern und Brüdern in den Flüchtlingslagern in Griechenland, Syrien, oder Jordanien. Umso schmerzhafter ist es in unserem Umfeld, dass wir diese Schwächsten, die alten und kranken Menschen zu Hause oder in den Altersheimen wegen der Ansteckungsgefahr nicht besuchen dürfen. Aber die Trauer darüber oder die Angst vor dem Virus sollte uns nicht daran hindern, etwas für einen der „geringsten“ Geschwister Jesu zu tun. Schau dich um.