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Sorget nicht!

„Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat (Mt 6,34).“

 

 

 

Die Bergpredigt Jesu im Matthäusevangelium gehört zu den schönsten Texten der Bibel. Und der Abschnitt, in dem dieser Vers zu finden ist, gehört wiederum zu den schönsten und berühmtesten Versen der Bergpredigt: „Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. […] Seht die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist, wie eine von ihnen. […] Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? […] Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft.“ (Mt 6,26-32)

Die Worte Jesu sind das Kontrastprogramm zu den Hamsterkäufen, die wir zurzeit beobachten. Wir machen uns Sorgen. Wir sind eben keine Vögel unter dem Himmel, die sich von dem ernähren, was die Natur ihnen bietet, und keine Lilien, die ganz ohne Zutun schöner gekleidet sind als König Salomo in seiner ganzen Pracht. Der Mensch, so der Philosoph Arnold Gehlen, ist ein Mängelwesen. Er kann ohne die Errungenschaften der Zivilisation nicht überleben. Er ist instinktarm, hat kein Fell, kann nicht gut klettern und nicht fliegen, seine Sinne sind zu wenig ausgeprägt. Er muss diese Mängel kompensieren z.B. durch Kleidung und Waffen oder andere selbst erschaffene Hilfsmittel. Und deshalb muss er auch vorsorgen: Vorräte sammeln, wie es Josef in Ägypten getan hat (1. Mose 41,47-57). Sich verteidigen können, wie einer der Jünger, der sogar ein Schwert bei sich trug (Mt 26,51). Sein Geld vermehren, wie der treue Diener, der aus fünf Zentnern Silber zehn gemacht hat (Mt 25,20). Das muss der Mensch tun, weil er eben kein Vogel ist und keine Blume auf dem Feld. Aber das Wort Jesu: „Sorget nicht!“ ist nicht nur ein Zuspruch, sondern eine Mahnung, nicht zu glauben, man habe sein Leben selbst in der Hand und könne ich gegen alles wappnen. Das spüren wir zurzeit besonders. Gegen Corona helfen uns unsere Versicherungen, unsere ganze Vorsorge nichts, auch keine Hamsterkäufe, die machen unsere Sorgen nur noch größer. Und die Sorge macht unser Herz eng, lässt kein Vertrauen wachsen. Und dieses Vertrauen, dass Gott es letztlich gut mit uns meint, das ist es, was Jesus uns an Herz legt, wenn er sagt: „Sorget nicht!“